Frauen und Autos - Nicht nur Männersache

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02.04.2014
von Eva Walitzek-Schmidtko | Klett MINT | #mintmagazin

Frauen und Autos - Nicht nur Männersache

Die Automobilbranche gehört weltweit zu den wichtigsten Industriezweigen - und gilt als Männerbastion. Doch die Zeichen ändern sich: Beim amerikanischen Autobauer General Motors steht seit Anfang dieses Jahres die Ingenieurin Mary Barra an der Spitze. Auch in Deutschland bietet die Branche Ingenieurinnen gute Perspektiven.

Von zwei zu vier Rädern

Als Franziska Blankenburg ihr Maschinenbau-Studium an der Fachhochschule Lausitzbegann, galt ihr Interesse vor allem schnellen Flitzern auf zwei Rädern. »Ich war Radsportlerin und wollte eine eigene Rennmaschine bauen«, erzählt sie. Heute arbeitet sie bei Finow Automotive. Der Zulieferer für große Autobauer fertigt z. B. Rohre und Profile für Fahrwerk und Motor speziell nach den Vorgaben der Kunden. Franziska Blankenburg betreut als Projektingenieurin Aufträge von der ersten Anfrage bis zur Serienproduktion. »Man muss schnell verstehen, worauf es den Kunden ankommt, und dann klären, was technisch machbar ist – und zu welchem Preis«, beschreibt sie ihre Arbeit. Gibt es spezielle technische Fragen zu klären, zieht sie die Experten in den Fachabteilungen zu Rate. »Projektingenieurinnen sind eher Generalistinnen. Sie müssen nicht jedes Detail kennen. Sie halten die Fäden zusammen, koordinieren und versuchen, die beste Lösung für das eigene Unternehmen und den Kunden zu finden.« Dabei sind neben technischem Verständnis auch Kreativität und kommunikative Fähigkeiten gefragt: »Man muss gut zuhören und die Ergebnisse den Kollegen oder Kunden vermitteln können.«

Von der Industrie zur Hochschule

Antje Katona ist Autofan: »Mein großer Bruder hat mich mit dem Autovirus infiziert. Er hat schon als Elfjähriger an Autos herumgeschraubt – und ich wollte immer das gleiche machen wie er«, erzählt die Professorin für Maschinenbau an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Mit 14 jobbte sie in einer Autowerkstatt; bevor sie an der Hochschule Offenburg Maschinenbau studierte, absolvierte sie eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin. Nach dem Masterstudium in Automotive Engineering war sie bei Autozulieferern für Aufbau und Betrieb von Motorprüfständen zuständig und entwickelte Steuergeräte für Otto-Motoren. Seit drei Jahren lehrt sie am Campus Horb und bildet u. a. Experten für die Sicherheit von Fahrzeugen aus. »Ich wollte immer einen technischen Beruf. Aber auch die Lehre hat mir schon immer viel Spaß gemacht. Als Hochschuldozentin kann ich beides verbinden«, nennt Antje Katona den Grund für den Wechsel aus der Industrie an die Hochschule. Das Arbeiten an der Dualen Hochschule ist sehr praxisorientiert, graue Theorie gibt’s nicht: »Ich lege noch selbst Hand an, baue Versuche auf oder plane gerade mit den Kollegen Motoren-Prüfstände«, sagt sie und fügt hinzu: »Es macht Spaß, Dinge zu entwickeln und anzustoßen – und das kann ich als Professorin tun.«

Neue Technologien entwickeln

Ob künftig mehr umweltfreundliche Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen rollen, hängt auch von den Batterien ab, denn bislang reichen die Ladungen oft nur für 100 bis 150 Kilometer. Laura Schenk arbeitet bei der Daimler AG im Bereich Elektromobilität daran, dass sich das ändert.

»Wir entwickeln Hochvoltbatterienfür Elektro- und Hybridfahrzeuge«, erklärt die Ingenieurin für Verfahrenstechnik. »Wir untersuchen beispielsweise, wann bei Hybridautos elektrisch gefahren wird, welche Betriebstemperaturen für Leistung und Lebensdauer der Batterie optimal sind oder was bei einem Crash passiert«, benennt Laura Schenk einige Fragestellungen. Für ihre Versuche und Messungen steigt sie oft auch ins Auto. »Um zu sehen, wie sich die Batterie bei verschiedenen Geschwindigkeiten oder verschiedenen Temperaturen verhält, messe ich während der Fahrt ihren Zustand«, erzählt sie. Die Auswertung zeigt dann, ob die Batterie so perfekt ist oder ob sie konstruktiv angepasst werden muss. Dass sie sich mit vielen unterschiedlichen Themen und immer neuen Fragestellungen beschäftigen kann, findet die Ingenieurin spannend. »Man weiß am Anfang einer Versuchsreihe oft nicht, was herauskommt. Oft führen die Ergebnisse zu neuen Fragen – und zu weiteren Messungen«, sagt sie und fügt hinzu: »Manlernt immer etwas Neues. Langweilig ist’s nie.«

Rennträume werden wahr

In welcher Branche sie später einmal arbeiten wird, weiß Monika Holzner noch nicht: Die 19-jährige hat erst im September ihr Maschinenbau-Studium an der Hochschule Stralsund begonnen. Dass sie dafür aus Baden-Württemberg an die Ostsee gezogen ist, liegt zum einen am guten Abschneiden der Hochschule bei den Rankings, zum anderen aber auch an der Möglichkeit, im Rahmen des Studiums

schnelle Autos entwickeln zu können. »Es hat mich gereizt, im Baltic Racing Team mitzumachen«, sagt die Studentin. 13 Rennwagen haben die Nachwuchsingenieurinnen und -ingenieure der Hochschule Stralsund seit 1999 im Rahmen des Wettbewerbs Formula Student auf dem Campus konstruiert und gebaut. Am Modell für die bevorstehende Saison arbeitet auch Monika Holzner mit. Im Herbst hat sie die Verkleidung des Rennwagens am Computer konstruiert. »Dabei konnte ich die CAD-Kenntnisse aus der Vorlesung gleich praktisch anwenden«, erklärt sie. Das Schweißen, Drehen und Schrauben ist eine willkommene Abwechslung im Studienalltag – und eine lehrreiche zudem. »Das Studium kann in den ersten Semestern sehr trocken sein«, stellt Monika Holzner fest. »Da macht es Spaß, einmal praktisch zu arbeiten.« 

 

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