Kumpel gesucht!

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23.10.2013
von Christoph Wanko | Klett MINT | #mintmagazin

Kumpel gesucht!

Für die einen ist sie die „Dreckschleuder unter den Energieträgern“ und „Zerstörerin des Weltklimas“ – für die anderen ist sie der einzige heimische Rohstoff, der ohne Subventionen für einen günstigen Strompreis sorgen kann: Braunkohle ist in Deutschland ein umstrittener Rohstoff. Unstrittig ist allerdings, dass für Absolventen eines bergbauspezifischen Studiums die Einstiegschancen in Zukunft so gut sein werden, wie selten zuvor.

Drei Reviere

Braunkohle – das heißt in Deutschland Strom. Kohlebriketts, so wie man sie von früher kennt, gibt es kaum noch. Der größte Teil der deutschen Braunkohle wird in Kraftwerken zu Strom umgewandelt. Ein Viertel des Stromes, der aus der Steckdose kommt, stammt aus Braunkohle. Gewonnen wird sie in drei großen Braunkohle-Revieren: das Rheinische Revier, das Mitteldeutsche Revier und – ganz im Osten – das Lausitzer Revier. Reviere, so nennen die Bergleute die Region, in der Kohle abgebaut wird. Früher gab es noch weitere kleine Reviere, aber diese Lagerstätten sind mittlerweile erschöpf oder zu klein, als dass sich ein Abbau momentan lohnen würde. In den Revieren wird die Braunkohle in Tagebauen abgebaut, also in riesigen Löchern, die in die Erde gegraben werden. Dörfer, die den großen Tagebauen im Weg sind, müssen umsiedeln. Ein weiterer Aspekt an Braunkohle, der für Ärger sorgt. Ist die Kohle einmal gewonnen, werden die Löcher wieder verfüllt und rekultiviert – also quasi wieder nutzbar gemacht.

 

Drei Unis

Bergbau kann man in Deutschland an drei Unis studieren: an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, an der Technischen Universität Clausthal sowie an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg – auch wenn es oft nicht mehr Bergbau heißt, sondern das Ganze einen moderneren Namen bekommen hat wie z.B. „Rohstoffingenieurwesen“ oder „Rohstoffe und Energie“.

 

Perspektiven nach dem Studium

Ganz egal, für welche der drei Unis man sich entscheidet, für die, die es geschafft haben, das anspruchsvolle Studium zu absolvieren, sind die Einstiegs- und Aufstiegschancen überdurchschnittlich gut. Schätzungen gehen davon aus, dass momentan auf drei offene Stellen im Bergbau-Bereich in Deutschland nur ein Absolvent kommt. Die deutsche Braunkohlenindustrie beschäftigte Ende 2009 fast 23.000 Mitarbeiter – ist damit also ein breiter Industriezweig in Deutschland.

Außerdem verdient man gut. Einstiegsgehälter von 50.000 bis 60.000 Euro sind üblich. Nach sieben bis zehn Berufsjahren und entsprechender Qualifikation kann man durchaus auch mit 100.000 Euro rechnen. Hinzu kommt, dass die Beschäftigen der drei großen Unternehmen E.ON, RWE Power und Vattenfall Europe Mining eher älteren Semesters sind. Einige sprechen sogar von einer „Notorische Überalterung“ der Branche. Da werden in den kommenden Jahren auf jeden Fall viele Arbeitsplätze neu besetzt werden müssen.

Obendrein blicken viele internationale Unternehmen auf den deutschen Markt, wenn sie Spezialisten für den Bergbau suchen. Viele Absolventen verbringen einige Jahre in der Deutschen Braunkohle und gehen dann nach Australien. Auch dort liegen nach wie vor große Braunkohlevorkommen, die noch für Jahrzehnte reichen sollen.

 

Weitere Berufsbilder in der Braunkohle

Nicht nur als gelernter Ingenieur hat man gute Chancen, eine Einstellung in der Braunkohle zu finden. Die drei großen Unternehmen dürfen die Braunkohle nur abbauen und verbrauchen, wenn sie sich vor und nach dem Abbau auch um die riesigen Flächen kümmern, die rund um den Tagebau entstehen. Deshalb gibt es in den Unternehmen auch „grüne Berufe“ wie: Förster, Landwirt und Biologe, die man so in einem stark technisch geprägten Unternehmen überhaupt nicht vermuten würde.

Landwirte bewirtschaften den rekultivierten Boden und bereiten ihn für die Bepflanzung vor, Förster kümmern sich um die riesigen Waldbestände im Umfeld einen Tagebaus und forsten später das rekultivierte Gelände wieder auf. Biologen überwachen beispielsweise die Wiederherstellung der Natur (Rekultivierung). Dabei versuchen sie unter anderem herauszufinden, wann welche Pflanzenart auf den wiederaufgeschütteten Boden zurückkehrt. Die Ergebnisse sind oft erstaunlich. Durch die Nährstoffarmut auf den rekultivierten Flächen finden sich hier oft Pflanzenarten und Insekten, die andernorts bereits ausgestorben sind. 

 

Vielfalt durch Ruhe und Mangel

Ulf Dworschak studierte Biologie. Seither arbeitet er in der Rekultivierungsabteilung der RWE Power AG.

Durch den Abbau von Braunkohle im Tagebau wird die bisherige Landschaft zerstört. Dank der Rekultivierung ist es jedoch möglich, teils eine Fauna und Flora anzusiedeln, die vielfältiger ist als zuvor. So findet Ulf Dworschak auf den rekultivierten Flächen immer wieder Pflanzen, die ihre Heimat hier bereits verloren hatten.

„Wir finden fast jedes Jahr eine neue Art, die hier wieder heimisch geworden ist“, berichtet Ulf Dworschak. Warum das so ist, dafür hat der Biologe eine Erklärung: „Hier auf den Flächen ist es ein bisschen so, als würden wir die Zeit in die 1950iger Jahre zurückdrehen. Also in die Zeit vor den großen Einsatz von Düngemitteln auf unseren Feldern und bevor auch durch die Luft so viel Stickstoff in den Boden eingetragen wurde. Damals gab es noch große, magere, ungestörte Brachflächen. Da waren Nährstoffe Mangelware und dann konnten solche Pflanzen dort gedeihen.“

Meistens sind die Flächen, auf denen diese Artenvielfalt vorzufinden ist, sogenannte Sukzessionsflächen. Die Fachleute bezeichnen damit ein Stück Land, das nach der Verkippung weitestgehend sich selbst überlassen wird. Pflanzen und Tiere siedeln sich Schritt für Schritt hier an – sukzessive eben.

 

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