SekundAEre Pflanzenstoffe

powered by RunKom GmbH
27.10.2013
von Angelika Severin, Klett MINT | #mintmagazin

SekundAEre Pflanzenstoffe

Warum treibt uns Meerrettich Tränen in die Augen? Warum ist die Tomate rot? Grund dafür sind die sekundären Pflanzenstoffe, die seit etwa 20 Jahren intensiv erforscht werden. Sie treten meist in der Schale oder den äußeren Blättern der Pflanzen und Früchte konzentriert auf und gehen, beispielsweise beim Schälen eines Apfels, zum Teil verloren.

Der Namensbestandteil „sekundär“ macht deutlich, dass sie, anders als die Nährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, nicht dem Wachstum der Pflanzen dienen. Sie schützen die Pflanzen jedoch vor UV-Licht, Sauerstoffradikalen und Schädlingen. Auch dem Mensch sind diese Schutzwirkungen schon lange bekannt. So wird die Zwiebel schon seit vielen Generationen bei Husten eingesetzt. Doch erst heute weiß man, dass es die sekundären Pflanzenstoffe der Zwiebel sind, die antibiotisch wirken können.

Die 30 weltweit am meisten verzehrten Nahrungspflanzen enthalten über 10.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Insgesamt kennen wir über 30.000 Verbindungen; die in unserem Essen enthaltenen unterscheiden sich je nach Pflanzenfamilie. So sind Sulfide, also schwefelhaltige Verbindungen, typisch für Knoblauch oder Zwiebelgewächse. Andere Verbindungen wie Carotinoide oder Flavonoide sind verantwortlich für die Farben der Lebensmittel. Monoterpene hingegen machen die Grapefruit bitter und Glucosinolate geben Senf, Kresse, Meerrettich und Kohlgemüse ihren unverwechselbaren Geschmack.

 

Carotinoide bringen Farbe auf den Teller

Von diesen farbigen Substanzen sind 700 verschiedene Vertreter bekannt. Allerdings wurden bisher lediglich 14 im menschlichen Blut nachgewiesen. Die sauerstofffreien Vertreter wie b-Carotin und Lycopin sind überwiegend in orange-gelb-rotem Gemüse und Obst enthalten, während die sauerstoffhaltigen, die Xanthophylle, eher im grünen Gemüse wie Spinat, Grünkohl oder Broccoli zu finden sind.

Die Xanthophylle Lutein und Zeaxanthin sind aufgrund der zunehmenden Zahl der durch Verschleiß bedingten Augenerkrankungen ins Interesse der Wissenschaft gerückt. So reichern sich die beiden in hoher Konzentration in der Netzhaut des Auges an. Dort scheinen sie Schäden, die am gelben Fleck, dem Ort des schärfsten Sehens, durch kurzwelliges Licht hervorgerufen werden, zu vermindern. In einer Studie erhöhte sich bei Menschen, die über ein Jahr täglich Lutein allein oder in Kombina­tion mit anderen Vitaminen erhalten hatten, die Sehschärfe, die Kontrastempfindlichkeit und die Dichte der Pigmente im Vergleich zur Anfangsuntersuchung.

 

Gut fürden Teint?

Nicht alles, was in der Werbung ausgelobt wird, ist tatsächlich bewiesen. Jedoch hat eine Interventionsstudie gezeigt, dass flavonoidreicher Kakao dermatologisch relevante Effekte auf die Haut hat. Bei einer Interventionsstudie wird geprüft, ob sich eine Behandlung, bezogen auf ein Zielkriterium, bewährt. In dieser Studie ging es um Hautdichte, Wasserverlust und Rauigkeit. Zwölf Wochen lang bekamen die Probanden täglich einen Kakaotrunk mit 326 mg oder 27 mg Gesamtflavonoide. Bei der Gruppe mit flavonoidreichem Kakao erhöhte sich die Hautdichte und -dicke, Wasserverlust, Rauigkeit sowie Schuppigkeit nahmen ab.

 

Phytosterine nebenwirkungsfreie Cholesterinsenkung?

Die über hundert bekannten Phytosterine sind ein wichtiger Bestandteil der pflanzlichen Zellmembranen. Da sie in den fettreichen Pflanzenteilen wie Samen und Nüssen enthalten sind, finden sie sich auch in Ölen und Margarinen. Phytosterine ähneln chemisch dem Cholesterin und können deshalb im Darm die Cholesterinaufnahme hemmen. In mehreren klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass eine Anreicherung von Margarine mit Phytosterinen den Gesamtcholesterinspiegel sowie das LDL-Cholesterin, im Vergleich zu Margarine ohne Anreicherung, um bis zu 15 Prozent senken kann. Cholesterin ist ein lebensnotwendiges Blutfett, das vom Körper selbst hergestellt und zum kleineren Teil mit der Nahrung aufgenommen wird. Beim Transport im Blut ist es an Trägerproteine gebunden, z.B. LDL (Low Density­ Lipoprotein) und HDL (High Density­ Lipoprotein). Man geht davon aus, dass das LDL-Cholesterin die Arterienverkalkung begünstigt, während HDL-Cholesterin davor schützt.

Anders als bei Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen ist es wenig hilfreich, Empfehlungen für die tägliche Aufnahme der einzelnen sekundären­ Pflanzenstoffe auszusprechen. Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass der schützende Effekt am größten ist, wenn ein möglichst breites Spektrum an sekundären Pflanzenstoffen im Essen enthalten ist. Deshalb ist eine Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln, wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse, auf dem Teller gefragt.

 

Das französische Paradoxon

Viele Franzosen vereinen verschiedene Risikofaktoren für Herzkrankheiten, wie hoher Verzehr von tierischem Fett, Rauchen und geringe körperliche Bewegung – dennoch besteht für sie allgemein ein geringeres Risiko, an Herzkrankheiten zu leiden als für andere Nationen. Doch woran liegt das? ­Wissenschaftler glauben, dass es der regelmäßige Genuss von Rotwein ist. Rote Weintrauben enthalten die sekundären Pflanzenstoffe oligomere Procyanidine (OPC). „Cyan“ heißt auf Griechisch blau und deutet auf die Herkunft aus blauen Beeren und Früchten hin. OPC schützen vermutlich entscheidend vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

Bio hat wenig Einfluss auf sekundäre Pflanzenstoffe

Eine Untersuchung des Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel von 2008 zeigt, dass sich der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen wie Polyphenolen und Carotinoiden zwischen konventionellem und ökologischem Anbau nicht unterscheidet. Wichtig ist aber der Reifegrad der Pflanzen. So zeigt sich der höchste Flavonoidgehalt bei im Freiland gewachsenen und reif geernteten Früchten. Als Faustregel gilt deshalb: möglichst frisch und möglichst bunt!

 

   Weitere Informationen:

   Wissenschaft.de: Pflanzenstoffe - wie gesund sind sie wirklich?   

 

  Folge uns auch auf:

   Twitter | Facebook | Google+ | Youtube-Kanal    

#MINTMAGAZIN